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S01 E05 Johannah Illgner: Start-Up Gründerin und Empowerment

Wir sprechen über die Gründungsgeschichte von Plan W als Start-Up in der Marketing und PR Branche. Es geht um Feminismus in der Wirtschaft, der Gesellschaft und an der Uni. Außerdem erzählt Johannah, wie sie ihre Arbeit unter der Flagge von New Work organisiert.

 

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Worüber reden Feminist*innen heute?

Nach dem wir mit KuGe Kultur und Gestalt im Januar beim Feministischen Barcamp Mannheim waren, möchte ich mit etwas zeitlichem Abstand nochmal die wichtigsten Ergebnisse aus unserer Session teilen. Wir haben unser Angebot in der ersten Session-Runde gegen 12 Uhr durchgeführt. Die Frage, mit der wir gestartet sind, war: “Feminismus 3.0: Was wollen Feminist*innen heute?” Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass unser Workshop ziemlich voll war, sodass wir so viele Meinungen, Impulse und Standpunkte zusammentragen konnten. Nach einer kurzen Zusammenfassung, was im Feminismus bisher zentrale Forderungen waren und einem kurzen Überblick der Rechtsgeschichte der Gleichstellung aller Geschlechter (ohne Gewähr auf Vollständigkeit) sind die Teilnehmer*innen zu Wort gekommen. Wir haben in gemeinsam zusammengetragen, was den Anwesenden zum Thema Feminismus wichtig ist.

Hier ist eine Liste der Punkte, die genannt wurden:

  • Medien, nicht Gesetze bestimmen unser Denken (Schönheitsideale, Femnistische Pornographie)
  • Feminismus: Freiheit, sich von gesellschaftlichen Rollenbildern frei zu machen (gilt für Männer, Frauen, Divers)
  • Schluss mit Geschlechterstereotypen
  • Gleichberechtigung: sozial, in der politische Teilhabe, in der Öffentlichkeit, sexuell
  • Empowerment: Sich von Rollenerwartungen nicht einschränken lassen
  • Selbstbestimmung
  • Frauen-Vorbilder positiv nutzen: Verbinden statt Abgrenzen
  • Frauen sollen kein Stück vom Kuchen, sondern einen eigenen Kuchen bekommen
  • Sexuelle Gewalt gegenüber Frauen bekämpfen
  • Genderfreie Erziehung
  • Wertschätzung von Care-Arbeit
  • Queer-Feminismus: Gender und dessen soziale Bedingung reflektieren
  • Gender und Klimawandel
  • Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • Stereotypisierung von Studiengängen
  • Tatsächliche Gleichstellung, gleiche Rechte ohne Hindernisse und Einschränkungen
  • Existenz-sichernde Arbeit für Frauen
  • Sensibilisierung des Umfeldes für das Thema Gender
  • Gleiche Möglichkeiten für alle Menschen
  • Spagat zwischen gleiche Rechte und Chancen und intensiv berufstätig und Mutter sein dürfen
  • Parität in allen Gremien, die Entscheidungen treffen
  • Feminismus braucht Kapitalismus-Kritik
  • Leistungsgerechte Anerkennung bzw. Bezahlung
  • Vielfalt aller Geschlechter
  • Ich kann mich nach meinen Fähigkeiten entwickeln
  • Selbstbestimmung: Nicht geschlechter-konform sein müssen
  • Gender ist ein soziales Konstrukt
  • Förderung von Familien anstatt Ehemodellen
Was mir aufgefallen ist, war die Bandbreite, wie die Beitragenden Gender oder Frau* sein für sich selbst definiert und beansprucht haben. Wie es die Bundeszentrale für politische Bildung gut auf den Punkt bringt, ließ sich auch in unserer Runde feststellen, dass wir Differenz- und Gleichheits-Feminist*innen dabei hatten. Während manche die Differenz zwischen Mann und Frau betonten und eine Aufwertung und Gleichstellung von weiblichen Personen einforderten (Kein Stück vom Kuchen, sondern ein eigener Kuchen), vertraten andere die Position, dass eine binäre Ordnung von Geschlechtern (Mann/Frau) aufgelöst werden und alle Personen gleichermaßen als Menschen betrachtet werden sollten. Was die Forderungen des Feminismus betrifft, so lassen sie sich in meinen Augen doch immer wieder mit ein paar zentralen Punkte zusammen fassen, die in ihrer konkreten Realisierung ein weites Feld bearbeiten müssen:

Freiheit, Gleichberechtigung und Respekt.

Für alle.

Bildquelle: http://traitspourtraits.tumblr.com/post/132756165064
Frau sein?

Man wird nicht als Frau geboren

Man wird es. Simone de Beauvoire.

Selbiges könnte im Übrigens auch über Männer gesagt werden. Was die französische Philosophin und Feministin damit ausdrücken wollte, benannte ihre Kollegin, wie ich Judith Butler sicherlich bezeichnen kann, als das Überwinden des Zwangs und des Schicksals der Biologie (Butler, 1995). Die Idee dieser feministischen Theorie ist, dass es alles andere als „natürlich“ ist, eine Frau zu sein unter der Prämisse aller hinzugedachten und -gedichteten Attribute. Sie richtet sich als direkte Kritik an die Aristokratie der Naturwissenschaft, die seit der bürgerlichen Moderne scheinbar für einen Großteil der Gesellschaft wahrer ist als die anderen Wissenschaften.

Beauvoir und Butler stürzen die Biologie von ihrem Thron, indem sie auf die Naturalisierung von Diskriminierung, Ausgrenzung und Abwertung von Frauen auf Basis biologischer Argumentation hinweisen. Dass die „Natur der Frau“ für manche Tätigkeiten, Charaktereigenschaften oder Handlungsweisen geeigneter sei als für die Dinge, die in der „Natur des Mannes“ liegen, ist noch heute eine verbreitete Meinung. So liege es den Frauen, „familiär, fürsorglich, apolitisch [und] natürlich“ zu sein, während Männer hingegen „wettbewerbsorientiert, politisch [und] sozial gestalte[nd]“ seien (Villa 2012, 42). Es ist nicht unbedeutend, dass ausgerechnet die vermeintlichen Eigenschaften der Frauen mit Aufgabengebieten zusammenfallen, deren gesellschaftliche Wertschätzung geringer ausfällt, aus der simplen Tatsache heraus, dass sie nicht sichtbar werden. Die „Liebesdienste“ der Frauen, die zu einem großen Teil konstitutiv für die Reproduktion von Arbeitskraft sind (Kochen, Waschen, Putzen, Nachwuchs, Zuwendung, Pflege etc.) werden nicht als Leistung gewertet, sondern als die „Natur der Frau“. Es gibt kein symbolisches Kapital für die Arbeit, die nicht sichtbar wird, geschweige denn von finanziellem Kapital. Durch diese Arbeitsteilung entsteht eine gegenseitige Abhängigkeit von Männern und Frauen, die einerseits bezahlte Arbeitskraft und andererseits unbezahlte Reproduktion von Arbeitskraft im Tausch füreinander hergeben (müssen).

Es geht nicht darum, die Naturwissenschaften in ihrer Legitimation zu hinterfragen, sondern darum, ihre Grenzen und politischen Verstrickungen aufzuzeigen, wie sie jede Wissenschaft hat. Dass Männer und Frauen eine „unterschiedliche Natur“ hätten, war einmal eine bahnbrechende neue Erkenntnis. Aber wie es so schön heißt: Alles war einmal neu, bis es alt wurde.

 

Villa, Paula- Irene (2012): Feministische- und Geschlechtertheorien, in: Martha Kampshoff und Claudia Wiepke (Hrsg): „Handbuch Geschlechterforschung und Fachdidaktik“, Wiesbaden: Springer VS, 39-52.

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